Haikus
Der Haiku ist eine Form des Kurzgedichts. Seit Jahrtausenden werden in Japan darin Beobachtungen in der Natur im Jahreszeitenlauf beschrieben. Mit dieser Seite will ich einen kleinen Überblick über das Dichten von Haiku geben, Sie ermuntern auch ein paar Haikus zu dichten und schließlich einen Teil meines "Werkes" vorstellen.
Zur Geschichte des Haiku-Dichtens:
Die frühesten Gedichte, die eine haiku-artige Form (mit 5 oder 7 Silben pro Zeile) haben, stammen wohl aus der Zeit um 650 n. Chr. Diese sogenannten Langgedichte hatten als Schema immer 5 Silben - 7 Silben - 5 Silben... und nur am Ende zweimal 7 Silben. Sie hatten nicht unbedingt mit der Natur zu tun. Später entwickelte sich die Form des "Haikai", der aus Gedichtspaaren von 5 - 7 - 5 Silben und 7 - 7 Silben besteht. Aus dem ersten 5 - 7 - 5 Gedicht eines solchen - manchmal über 1000 Strophen langen - Haikai, das "Hokku" genannt wurde, entwickelte sich der Begriff "Haiku", der allerdings erst im 20. Jahrhundert als eigene Gedichtsform durchsetzte.
Haiku-Grundlagen:
Schema:
Ein Haiku besteht (fast) immer aus drei Zeilen, wobei die erste und die letzte 5, die mittlere 7 Silben haben. Ich erkläre das genauer an folgendem Haiku von mir:
Lebenselixier
nach Regen lässt die Sonne
die Gräser grünenLe - bens - e - li - xier: 5 Silben
nach - Re - gen - lässt - die - Son - ne: 7 Silben
die - Grä - ser - grü - nen: 5 SilbenThema:
Ein Haiku beschäftigt sich immer mit einem sogenannten Jahreszeiten-Thema. Man kann "vorgefertigte" Jahreszeitenthemen benutzen, ich aber bevorzuge es, direkt von mir gemachte Beobachtungen in einem Haiku zu verarbeiten. O.g. Haiku z.B. entstand, als im März 2001 nach einer langen Regenphase innerhalb von zwei Sonnentagen die Wiesen plötzlich in einem ungewohnt satten Grün erstrahlten.Jetzt wissen Sie eigentlich alles, was Sie benötigen um ein Haiku zu dichten. Trauen Sie sich einfach! Denn das ist der nächste Schritt. Es muss ja nicht gleich ein Meisterwerk werden... Wenn Sie jetzt keine Zeit haben, dann sollten Sie trotzdem wenn Sie das nächste mal zum Fenster hinausschauen oder gar einen Spaziergang machen, genau nach etwas suchen, dass sich eignen könnte. Wenn Sie etwas finden, notieren Sie es gleich (man vergisst es sonst sehr schnell wieder und ärgert sich womöglich). Als mir einmal in einer ziemlich kahlen Zeit des Winters nichts einzufallen schien, sah ich eine kleine Ehrenpreispflanze im scharfen Wind stehen und folgender Haiku entstand:
Trotz des kalten Winds
Ehrenpreisblüten bleiben
Der Trotz der PflanzeEinen Haiku ausfeilen:
Wenn Sie einen Haiku in das Format 5 - 7 - 5 "zusammengeschraubt" haben, ist die Arbeit daran noch lange nicht beendet. Für die genaue Beschreibung der von mir hier nur kurz skizzierten Techniken empfehle ich das Buch "Erste Haiku-Schritte - eine Fibel" von Teiko Inahata, HAIKU-Verlag, ISBN 3-926289-00-7.
Der Rhytmus:
Klingt der Haiku gut im 5 - 7 - 5er Rhytmus? Jede Zeile sollte einen Abschnitt enthalten, der in sich abgeschlossen ist, d.h.:
Haiku 1 (schlecht)
Birnenknospen so
Reif, ja schon fast geöffnet
Baldige BlüteHaiku 2 (besser)
Knospen der Birne
So reif schon, fast geöffnet
Baldige BlüteDas "so" ist am Ende einer Zeile total deplatziert. Die Stimme senkt sich normalerweise am Ende einer Zeile. Das "so" aber wird höher ausgesprochen als die letzte Silbe von "Birnenkospen". Da man vor dem so auch noch automatisch eine Pause macht, danach eine Pause aber kaum möglich ist, klingt das Gedicht für den Zuhörer entweder total falsch betont, oder nach 4 - 8 - 5 - Silben. In Haiku 2 ist das viel besser gelöst. Das Wort Birne hat die Betonung sowieso auf der ersten Silbe und schließt die Zeile somit gut ab. Das "so" am Anfang der zweiten Zeile bewirkt eine automatische Pause. Die dritte Zeile wird auch abgetrennt, da sie praktisch einen neuen Satz darstellt.
Sprachliche "Verrenkungen":
Das habe ich einmal angewandt. Man sollte es nicht auf die Spitze treiben, sonst klingt es ein bisschen konstruiert (Die Wickinger - wie wild waren sie wirklich? Darf der das denn, der dicke Donau-Dampfer...) Bei mir hat eben dann auch eine Zeile eine gewisse w-Lastigkeit:Die Bienen summen
Im weißen Wegerichwald
Der Herbst ist naheIn Englisch funktioniert es auch (Within the white Plantainwood)!
Wie gesagt... man kann's auch übertreiben:Bienen brummen bös'
Im weißen Wegerichwald
Hurtiger Herbststurm!Weitere Schritte:
Passt das durch den Haiku hervorgebrachte Gefühl zur Jahreszeit?
Ist der Haiku auch für Außenstehende verständlich?
Gibt es noch etwas, das man poetischer formulieren könnte (Birnenknospen --> Knospen der Birne)?
Ist es sinnvoll, ein Satzzeichen zu setzen, um etwas besonders hervorzuheben?
...Hier gibt`s die Bescheidene Sammlung meiner Haikus zum Download als .pdf-Datei.