H2 + O2 = Energie
oder: Kleine Knallgaskunde
Überall hört man heutzutage von Energie aus Wasserstoff, doch wissen Sie eigentlich wie das funktioniert?
Angriffslustiger Sauerstoff
Es ist nicht allzu schwierig, zuerst einmal eine kleine Zeichnung:
Erklärung: An zwei
Edelstahlelektroden in (möglichst destilliertem) Wasser
(möglichst mit ein paar Tropfen Schwefelsäure versetzt) wird
eine Niederspannung (z.B. 24V) Gleichstrom gelegt. Dabei steigen
am Minuspol etwa doppelt so viele winzige Gasblasen auf wie am
Pluspol. Dieses Gasgemisch nennt man, wegen seiner
Explosionsfahigkeit auch Knallgas. Die negativ geladenen
Sauerstoffionen wandern zum Pluspol, die positiv geladenen
Wasserstoffionen zum Minuspol. Im nächsten Experiment werden wir
sehen, wie "aggressiv" Sauerstoff ist.
Sie werden sich vielleicht
fragen, warum Sie nicht einfach Nägel statt nicht ganz so
billigen Edelstahlstäben verwenden können, um Knallgas
herzustellen. Das kann ich Ihnen sagen...
Aber probieren Sie es ruhig,
verwenden Sie doch einmal zwei ganz normale Eisennägel: Es
entsteht am Minuspol Wasserstoff und am Pluspol Rost (!).
Sauerstoff verbindet sich leicht mit Eisen zu Eisenoxyd, auch
Rost genannt.
So wie ich Sie kenne, sagen Sie
jetzt: "Ha, dann nehme ich halt verzinkte oder vernickelte
Schrauben, die rosten ja nicht" Ich will Sie nicht von
diesem schönen Experiment abhalten, doch am Ende entsteht wieder
Rost. Sie können es auch mit Aluminium, Kupfer, Messing und noch
vielen weiteren Metallen versuchen, es entstehen immer
Verbindungen mit Sauerstoff. Dieser krallt sich alles was er
kriegen kann, nur vor wenigen Stoffen schreckt er zurück... und
dazu gehört (mit Einschränkungen) Edelstahl. Sie können
natürlich auch Platinelektroden verwenden, aber dann kaufen Sie
sich am besten auch gleich noch eine größere Schaufel zum
Geld-aus-dem-Fenster-raus-schaufeln.
Zuerst einmal eine Warnung: Bei der
Explosion von größeren Mengen Knallgas wird eine viel Energie
freigesetzt. Daduch kann es zu Verletzungen und Hörschäden
kommen. Wir benötigen in unseren Versuchen nie mehr als 50ml
Knallgas. Trotzdem sind entsprechende Schutzvorkehrungen zu
treffen. Die Versuche sind im Freien und nicht während
gesetzlicher Ruhezeiten durchzuführen.
Sie denken wohl, eine Rakete zu bauen währe
etwas zu schwierig, um hier beschrieben zu
werden... Aber nein, es geht ganz leicht!
Sie können mit dieser Rakete zwar keine Satteliten
ins All befördern, aber 10m Höhe sind durchaus
erreichbar. Sie stellen mit der Einrichtung
aus Versuch 1 Knallgas her, das Sie in einem möglichst
durchsichtigen Gefäß mit gut schließendem
Plastik- oder Metalldeckel auffangen. Diesen
Deckel durchstechen Sie mit zwei Nägeln (wenn
Plastikdeckel) oder durchbohren ihn an zwei
Stellen (wenn Metalldeckel) und stecken zwei
dicke, isolierte Kabel hindurch, die Sie
nur an der Spitze abisolieren. Diese beiden
Elektroden verbinden Sie mit einem sehr dünnen
Draht (z.B. abisolierter Wickeldraht, 0,1mm
Ø). Nun stecken Sie das Gefäß mit dem Knallgas,
das möglichst in einem Wasserbehälter mit
der Öffnung nach unten gelagert werden sollte,
darauf. Zur Durchführung des Starts eignet
sich am besten eine Terasse mit Glastür zum
Innenraum. Das schützt Sie vor dem Knall
und vor möglicherweise herumfliegenden Glassplittern
(deshalb ist es auch besser Plastikbehälter
für das Knallgas zu verwenden). Stellen Sie
sicher (z.B. durch Unterlegen von Steinchen),
dass die Flugbahn der Rakete keine direkten
Hindernisse hat. Verbinden Sie nun das Netzteil
bis auf eine Drahtbrücke mit der Startanlage
(so dass noch kein Strom fließt). Wenn sicher
ist, dass keine Menschen oder Tiere in unmittelbarer
Nähe der Rakete sind, verbinden Sie das letzte
Kabel. Der Draht sollte jetzt zu glühen anfangen,
durchbrennen und die Rakete starten...
Fehlersuche:
Sollte die Rakete nicht gestartet
sein, oder nur sehr kurz geflogen sein, kann es folgende Gründe
haben:
Sie haben zu viel Zeit gebraucht
oder das Gasgemisch nicht richtig gelagert:
Sauerstoff ist etwas
schwerer, Wasserstoff ist viel leichter als Luft. Lagern
Sie Knallgas unter Wasser mit der Öffnung nach unten und
bereiten Sie alles für den Start vor, so dass die Gase
nicht entweichen können.
Es gab Probleme mit der
Stromversorgung:
Wenn der Draht nicht zum
Glühen kam, lag es entweder an einem zu schwachen
Netzteil oder an einem Kurzschluß. Kaufen Sie sich ein
stärkeres Netzteil, möglichst kein Steckernetzteil. Die
Spannung sollte bei 12 Volt liegen, entscheidend ist die Amperezahl.
Stellen Sie sicher, dass in der Stromversorgung nur
in der Startvorrichtung an dem dünnen Draht ein
Kurzschluß entsteht.
Der Deckel war nicht
festschließend:
Nur durch einen
festschließenden Deckel kann sich in der Rakete Druck
aufbauen. Erst durch diesen Druck fliegt die Rakete.
Zum Schluss:
Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an mich.
Letzte Änderung am 17.12.01.
Sie sind übrigens der
. der sich auf dieser Seite über die Möglichkeiten
und Unmöglichkeiten von Knallgas informiert.
Links:
Auf der Seite http://www.ralfwagner.de gibt es Informationen über einen Baukasten
von Kosmos zu dem Thema