Luzides Träumen


Was ist luzides Träumen?

Wir alle träumen. Normalerweise gibt es alle 1,5 Stunden während der Nacht eine REM-Phase (Rapid Eye Movement = Rapide Augenbewegung) während der Traumaktivitäten in unserem Gehirn besonders stark sind. Meistens oder fast immer läuft dabei eine Art "interaktiver Film" ab, den wir zwar beeinflussen können, es aber nicht tun. Die Eigenschaft luziden Träumens ist, dass man eben dies bewußt tut. Man erkennt seinen eigenen Zustand als Traum und greift bewußt darin ein.



Kann ich luzides Träumen erlernen?

Jeder der sich darauf einläßt und die Übungen regelmäßig durchführt sollte in der Lage sein, luzides Träumen zu erlernen. Mit der Einstellung "Was dieser Spinner da erzählt ist ja sowieso Quatsch. Ich werde euch zeigen, dass das nicht funktioniert." aber auch mit übermäßiger Erwartung wird dies aber sehr erschwert. Von Vorteil ist es, wenn Sie sich schon jetzt häufig an Ihre Träume erinnern oder gar schon luzide Träume hatten. Alles, was Ihr Erinnerungsvermögen negativ beeinträchtigt (z.B. Alkohol) sollten Sie lieber weglassen. Schlafen Sie regelmäßig und weder zu kurz noch zu lang. Gehen Sie weder zu wach noch bis zum Umfallen müde ins Bett.


Wie kann ich luzides Träumen erlernen?

Ich stelle die Übungen, die zu machen sind der Reihe nach vor. Machen Sie die Übungen möglichst regelmäßig und geben Sie nicht auf bis Sie das jeweilige Ziel erreicht haben. Dies ist die sogenannte DILD - Methode (Dream Inducted Lucid Dream = durch einen Traum herbeigeführter Wachtraum), die sich für Anfänger gut eignet.

Führen Sie ein Traumtagebuch. Direkt neben Ihrem Bett sollte ein Notizblock und ein Stift liegen. Wenn Sie arbeiten müssen, stehen Sie reichlich früher auf. Bleiben Sie morgens längere Zeit "halbwach" im Bett liegen und stellen Sie Ihr Gehirn "auf Durchzug". Schreiben Sie alle Erinnerungsfetzen die Ihnen "ins Gehirn rieseln" stichwortartig auf. Nach einigen Wochen werden Sie im besten Fall Symbole feststellen, die in vielen Ihrer Träume vorkommen. Diese "Traumsymbole" können eine große Hilfe sein, um Träume als solche zu erkennen. Meine wichtigsten Traumsymbole sind z.B. der Erdball gesehen aus dem Weltraum und seltsame "pseudo-astronomische" Phänomene (zwei Monde etc.)

Wenn Sie das so lange gemacht haben, dass Sie sich nach jeder Nacht an mindestens zwei Traumfetzen erinnern können, sollten Sie zum nächsten Schritt übergehen.

In diesem Schritt kommen zu der Dokumentation der Träume und Traumsymbole noch zwei weitere Übungen dazu. Die wichtigste Übung überhaupt nennt man Realitätstest (RT). Da Sie sich ja im Traum automatisch fragen sollen ob Sie träumen, müssen Sie das tagsüber einüben, bis Sie es reflexartig ausführen. Wenn Sie Traumsymbole kennen, sollten Sie besonders dann einen RT machen wenn diese Traumsymbole auftauchen. Auf jeden Fall sollten Sie auch sonst ca. 3 - 10 RT s am Tag machen. Machen Sie dies unbedingt mit verschiedenen der unten beschriebenen RT s. Das Ziel dieser Übung ist außerdem eine Verwirrung des Tagesbewußtseins. Es ist sehr gut wenn Sie sich oft nicht sicher sind ob Sie wach sind oder träumen, daher machen Sie diese Übung nicht mit dem Gedanken "Ich bin doch sowieso wach" sondern sehr ernst. Ich kann zu diesen Übungen den Film "Matrix" und einige philosophische Gedanken wärmstens empfehlen.
Da Sie jetzt jede Nacht einen luziden Traum haben könnten, sollten Sie vor dem Schlafengehen noch eine weitere Übung ausführen. Es ist sehr hilfreich, dass Sie sich jeden Abend klarmachen, dass Sie gleich träumen werden und sich vornehmen, den Traum als solchen zu erkennen.

Irgendwann werden Sie Ihren ersten luziden Traum haben. Höchstwahrscheinlich werden Sie in einem RT bemerken, dass Sie träumen und dann sofort von Gefühlen übermannt den Traum wieder verlieren und/oder aufwachen. Das ging mir auch so. Allerdings werden - wenn Sie die Übungen weiter durchführen - die luziden Träume häufiger werden. Ich habe wenn ich mich intensiv damit beschäftige ca. jede zweite Nacht einen luziden Traum. Auch Sie werden ruhiger werden in luziden Träumen. Und dann kann die spannende Sache beginnen. Stellen Sie sich z.B. einfach in einem luziden Traum vor, es schneit. Mit etwas Übung können Sie in Ihren luziden Träumen dann alles machen, was Sie wollen. Z. B. können Sie einen Alptraum durchmachen und im luziden Traum lösen. Oder wie wäre es mit einer Reise ans Meer?


Was sind "Realitätstests"?

Gerade haben Sie erfahren, dass Realitätstests (RT s) für die Klartraumfindung sehr wichtig sind. Wie aber läuft so ein Test ab? Überprüfen Sie einfach ernsthaft mehrere der folgenden Fragen: Lesetest

Suchen Sie nach etwas Geschriebenem. Ein Wort oder auch eine Uhrzeit reichen völlig. Schauen Sie zur Seite (Augen nicht schließen) und stellen Sie sich vor, dass dort etwas anderes steht. Schauen Sie wieder hin. Wenn sich die Schrift nicht geändert hat, träumen Sie wahrscheinlich nicht. Wenn jetzt das dort steht, was Sie sich vorgestellt haben... naja, dann viel Spaß. Meinen ersten Traum habe ich bewußt erkannt, indem ich eine Uhrzeit auf 4:00 Uhr "umgestellt" habe.
 

Personentest
Ein sehr schöner Test, den Sie unauffällig und schnell sehr oft am Tag durchführen können. Immer wenn Sie eine Person treffen überprüfen Sie seine Idendität. Kennen Sie die Person? Warum ist die Person hier? Gibt es eine solche Person oder ist sie ein Produkt Ihres Unterbewusstseins? Lassen Sie sich nicht von dem Gedanken "Den seh ich doch heut schon zum zweiten mal" oder "das ist meine Oma, die kenn ich doch" ablenken. Das könnte das Traumparadigma sein.
 

Der Perspektiventest
Sind weit entfernte Gegenstände auch wirklich kleiner und leiser als nahe? Wenn Sie das sehr, sehr genau überprüfen ist es die perfekte Methode das Tagesbewusstsein zu verunsichern. Drehen Sie sich um Ihre eigene Achse (besser wenn niemand in der Nähe ist) und analysieren Sie, ob sich die Umgebung in der richtigen Geschwindigkeit und der richtigen Richtung mitdrehen.
 

Der Farbentest
Schauen Sie einfach herum und versuchen Sie Farben zu finden, die es in der Tageswelt gar nicht gibt. Zählen Sie doch einfach für alle Dinge die Sie gerade sehen die Farben auf.
 

Etc.
Vor allem wenn Sie ein bisschen Erfahrung mit luziden Träumen haben, können Sie weitere Tests erfinden. Einfach mal die Hand in eine Wand stecken (oder es zumindest versuchen). Dazu wieder ein Filmtipp: "Der Mann der durch die Wand geht" mit Heinz Rühmann.
  Machen Sie mindestens 2 dieser Tests mindestens 3 mal täglich während der wachen Zeit.

Im nächsten Schritt kann man auf diese "stupiden" RT s ganz verzichten. Ich frage mich mittlerweilen - mit großem Erfolg - nur noch, ob das was gerade geschieht logisch möglich oder wahrscheinlich ist.

Viele "traditionelle" RT s sind allerdings vollkommer Humbuk. Da die Empfindungen jeder Art im Traum nicht von denen in der Tageswelt zu unterscheiden sind, nütz der "Zwick-Test" nichts. Jemand sagte mir mal, man könne in einem Traum seine eigene Hand nicht sehen, was ich allerdings in einem luziden Traum als unwahr erwiesen habe. Meiner Erfahrung nach, kann man in luziden Träumen alles vorstellbare und damit natürlich auch alles "alltägliche" erleben.


Was ist das "Traumparadigma"?

In Ihrem Unterbewußtsein lauert ein Feind. Dieser Feind scheint mit den dreistesten Mitteln verhindern zu wollen, dass Sie luzid träumen. Er trägt den gar schröcklichen Namen "Traumparadigma". Dieses Traumparadigma wird versuchen Ihnen vorzumachen, dass Sie gar nicht träumen. Es wird Ihnen sagen, dass die Traumchecks Schwachsinn sind, weil Sie ja "sowieso wach" sind. Es wird Ihnen bei den RT s alles vorgaukeln, so dass Sie denken Sie seien wach und sich am nächsten Morgen über Ihre eigene Dummheit ärgern. Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Ich selbst habe meine Mutter schon mal als Traumparadigma bezeichnet als sie mir klar machen wollte, ich sei wach. Übrigens ein toller Gedankenfaden, denn war das wirklich am Tage oder vielleicht doch... Sie sehen, Selbsverunsicherung ist die halbe Miete.
Laut einer anderen website ist der Grund dafür die große Schwierigkeit im REM-Zustand logisch zu denken.
Eine weitere interessante Beobachtung, die ich gemacht habe ist, dass ich in einen anderen Traum wechsle wenn ich im (luziden) Traum meine Augen schließe. Meist träume ich dann, ich läge im Bett und wäre gerade aufgewacht, ein fieser Trick des Traumparadigmas


Was ist (noch) nicht nachvollziehbar?

Vor gar nicht allzu langer Zeit wurden alle luziden Träumer von der Wissenschaft als Spinner abgewiesen. Mittlerweilen wurde das Phänomen allerdings in Schlaflabors überprüft und bei Träumern in ihrem luziden Traum besondere Gehirnwellen nachgewiesen, die auf einen Wachzustand einiger Hirnzentren hinweisen. Auch wurde anhand spezieller Hirnzentren nachgewiesen, dass Träumer sich in luziden Träumen an vorgegebene Melodien erinnerten und diese im Traum pfiffen.

Nicht nachgewiesen ist z.B. eine Geschichte eines Arztes für tibetische Medizin der von speziell jahrelang ausgebildeten Mönchen erzählte, die während des Schlafes vor Ihnen ausgebreitete Schriften studieren können.

Auch spirituelle Reisen, Verlassen der Körpers etc. sind eher im Bereich der Spekulation anzusiedeln.

Ich möchte allerdings doch sagen, dass nach Erleben dieses wunderbaren Phänomens des Klartraums mir nichts unmöglich scheint.


Was hat der Autor noch für spinnerte Tipps auf Lager?

Es gibt auf dem Markt Hilfsmittel für luzides Träumen. Z.B. eine Brille die REM-Phasen erkennt und dann Blinksignale aussendet. So kann man den Traum an blinkenden Lichtern etc. erkennen und muss nur noch einen Traumcheck machen. Da das Ding >400 DM kostet, hab ich mal eine Brille - natürlich ohne Sensor - selbst gebaut und mittels einer Zeitschaltuhr angeschaltet. Das war bisher ohne Erfolg. Außerdem kann man angeblich mittels Tonbändern eine suggestive Wirkung erzielen, die zum Klartraum führt. Auch das habe ich im Selbstversuch bisher ohne Erfolg probiert.


Schlußwort

Was soll man jetzt noch sagen... lassen Sie sich nicht vom Traumparadigma unterkriegen, seien Sie nicht zu ungeduldig und halten Sie die vielen Übungen durch. Es lohnt sich, denn dann können Sie sich vielleicht ein "Nacht-Hobby" anschaffen. Ich z.B. liebe es, durch Treppenhäuser zu fliegen, Saltos und andere abenteuerliche Kunststücke in der Luft zu machen. Außerdem kommt bei mir der Wintersport angesichts Klimaerwärmung und schwindender Schneemengen wenigstens nachts nicht zu kurz. Sie können aber auch nachts Grammatik wiederholen (laaangweilig). Aber verschieben Sie das lieber auf den Tag, wenn Sie logisch denken können und haben Sie nachts einfach nur Spaß...
 
 

"Heute Nacht habe ich geträumt ich sei ein Schmetterling. Nun weiß ich nicht, ob ich Lao-tze bin, der geträumt hat er sei ein Schmetterling oder ein Schmetterling, der träumt er sei Lao-tze."

   - ein Schmetterling

Literatur
Empfohlene Bücher zum Thema:
das einzige (?) Buch zum Thema auf Deutsch mit recht guter Anleitung etwas tiefgreifender


Nennen Sie es Update, wenn Sie wollen...

Ich bin mittlerweilen ein wenig älter geworden und so ändern sich vielleicht Ansichten, Erfahrungen häufen sich zu etwas, das ich Weisheit zu nennen trotzdem noch ein paar Jahrzehnte zu jung bin. Was ich Ihnen nicht verschweigen will: ich mache keine Übungen zum luziden Träumen mehr und habe im Moment auch nicht vor, jemals wieder damit zu beginnen. Sicherlich ist es wunderbar, luzid zu träumen. Ebenso sicher bin ich mir jetzt aber, dass es ungleich wunderbarer ist, wenn man mit seinem tagsüber geführten Leben so zufrieden sein kann, dass man diese Flucht - nichts anderes ist es - nicht mehr anzutreten braucht.
Es ist ein abgegriffener Spruch, mag sein, aber leben Sie lieber Ihre Träume als ihr Leben zu träumen.


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last modified: 13.01.2004